°°°°°hier findet ihr einige Redebeiträge, die am 23.6.2012 von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen gehalten wurden°°°°

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GLADT
TRIQ
LesMigraS
AK Marginalisierte
Allmende
DAH
Kiralina
Kotti und Co
Lambda
Leerstand belegen
Reiche 114
Tacheles
Stop Tran*Pathologisierung 2012
Stop Trans*Pathologisierung_ Eine Buchempfehlung
Street Roots
Women in Exile
Beitrag zu queeren Gentrifizier_innen

Beitrag von GLADT / Diskriminierungsfreie Szenen

Vor zwei Jahren rief einer der Veranstalter des offiziellen CSD von seiner Bühne am Brandenburger Tor herab den queer POC von Berlin zu: «Ihr seid hier nicht die Mehrheit! Ihr seid nicht die Mehrheit!»
Auch unterhalb solcher Eskalation kann es bei Großveranstaltungen der queeren Community, wie bei allen Massen-Events, zu Diskriminierungen kommen. Durch beleidigende Sprüche, Blicke und Verhaltensweisen werden Einzelne ausgegrenzt. Ihnen wird zu verstehen gegeben, dass sie unerwünscht sind aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihres Aussehens, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters und/oder ihres Handicaps.
Der TCSD hat eine Awareness-Gruppe gebildet, um gegen Diskriminierungen vorzugehen. Dazu gehört das «Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle», das wir von GLADT seit zwei Jahren mit organisieren. Denn wir wissen, dass unsere Communities nicht außerhalb einer Gesellschaft existieren, die durch ökonomische Ausgrenzung funktioniert, die rassistisch und sexistisch strukturiert ist und die Trans- und Homophobie keineswegs überwunden hat. Statt sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen, lassen sich zu viele Menschen bereitwillig gegeneinander ausspielen für das vage Versprechen, einer «Mehrheit» anzugehören. Aber jede «Mehrheit» braucht ihre «Minderheiten», das ist die Spielregel.
An dieser Stelle nur ein Beispiel dafür: Beim schwul-lesbischen Straßenfest in Schöneberg mussten Einzelne – vor allem queere POC und Schwarze Frauen –, immer wieder diskriminierende Erfahrungen machen. Vor zwei Jahren waren einige von ihnen endlich nicht mehr bereit, das einfach so hinzunehmen. Sie forderten vom Veranstalter, dem Regenbogenfonds der Schwulen Wirte, sich klar gegen rassistische und sexistische Diskriminierungen zu positionieren. Damals gab es in den Räumen von GLADT ein großes Treffen der Gruppen, die mit einem eigenen Stand am Straßenfest teilnahmen, mit den Veranstaltern des Festes. Die Vorfälle, die dabei auf den Tisch kamen, waren gravierend. Als Ergebnis dieses Treffens versprachen die Schwulen Wirte, einen kurzen Aufruf gegen alle Formen von Diskriminierung im Programmheft abzudrucken. Doch der Regenbogenfonds hat dieses Versprechen gebrochen.
Das war nur wenige Wochen, bevor der CSD-Funktionär auf der Bühne am Brandenburger Tor in aller Deutlichkeit aussprach, welches Denken solchem Verhalten zugrunde liegt. Ihm rutschte das damals raus, er verlor einen Moment lang seine Beherrschung und verließ die übliche Strategie von Leugnen, Abwiegeln und Vertrösten. Denn unmittelbar zuvor hatte sich Judith Butler auf derselben Bühne der Vereinnahmung durch den (kommerziellen/großen/Schöneberger…) CSD verweigert und den Rassismus in den tonangebenden Strukturen der mehrheitsdeutschen Community beim Namen genannt.
Danach schien es eine Zeitlang so, als ob auch in der Schöneberger Szene viele in sich gehen und Diskriminierungen abbauen wollten. Aber die einzige Veränderung, die es dann auf dem Straßenfest im letzten Jahr gab, war die Verlagerung der Frauen- und queer-POC-Stände. Und zwar weg von der durch weiße schwule Männer geprägten Motzstraße, mehr an den Rand des Geschehens. Ein Plakat mit einem Aufruf gegen Diskriminierungen auf dem Straßenfest konnten die Projekte wieder nur in Eigenregie herstellen und verbreiten.
Doch das «Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle» ließ nicht locker und forderte den Regenbogenfonds in diesem Jahr erneut zur Zusammenarbeit auf. Die Antwort, die wir bekamen, war an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Die Schwulen Wirte behaupteten nun, bei dem Treffen im Frühjahr 2010 hätten sich alle Vorwürfe von Rassismus und Sexismus als haltlos erwiesen, beim Motzstraßenfest habe es keine belegbaren Vorfälle gegeben. Das ist eine glatte Lüge! Der Regenbogenfonds selbst beweist das durch seine Taktik in diesem Jahr: Ohne Absprache mit unserem Netzwerk wurden nämlich die Stände einiger Projekte plötzlich zu Anlaufstellen bei Fällen von Diskriminierung ernannt. Aber wie in der Schöneberger Szene üblich, mussten POC draußen bleiben. Unter den Projekten, die nun zum Beispiel Opfer von rassistischer Diskriminierung beraten sollten, gab es keine einzige Migrant_innen-Organisation!
Wir werden uns damit nicht abfinden! Es darf nicht sein, dass für queere POC in der Berliner Community weiter gelten soll: «Ihr seid hier nicht die Mehrheit»! Aber wenn sich das endlich ändern soll, dürfen wir nicht darauf warten, dass Judith Butler uns vielleicht noch mal besuchen kommt! WIR ALLE GEMEINAM MÜSSEN UNS DER KOMPLIZENSCHAFT MIT DISKRIMINIERENDEN STRUKTUREN VERWEIGERN UND SO DAS SPIEL DES «TEILE UND HERRSCHE» DURCHKREUZEN!


Beitrag von TrIQ

Ahoj!
es grüßt euch der TransInterQueer e.V., kurz: TrIQ.
TrIQ hat sich vor 6 jahren gegründet als Interessenverband von trans*, inter* und queeren Personen, mit dem Anliegen, die Rechte von Menschen jenseits der gängigen binären Vorstellungen von „Geschlecht“ zu stärken. Beim TrIQ gibt es sowohl individuelle Beratung und Unterstützung für inter* und trans* Personen, als auch Beratung für Personen die professionell mit trans* und inter* Personen zu tun haben. Außerdem gibt es beim TrIQ verschiedene Gruppen, u.a. Trans*männer/Genderboys, feministische Trans*weiblichkeiten, weder*noch, eine Stimmgruppe, ebenso wie Kung Fu und die Yogagruppe. Außerdem machen Personen von TrIQ seit vielen Jahren das Transgenderradio und TrIQ ist Teil von Transgender Europe. Einzelne Personen von TrIQ arbeiten außerdem derzeit mit an einem Vorschlag zur Neufassung des TSG und auch sonst sind Triqqis an vielen weiteren Initiativen und Projekten beteiligt. Gemeinsam mit queerleben teilt sich TrIQ seit etwas mehr als einem Jahr die Räume hier in der Glogauer str. 19, die sich inzwischen zu einem TransInterQueerem Zentrum entwickelt haben.
wir fordern:
selbstbestimmte Geschlechtsauslebung für alle Menschen
freien Zugang zu medizinischen Leistungen und behördlichen Maßnahmen wie Vornamens- und Personenstandsänderung
Abschaffung der Begutachtungpflicht und der Zwangstherapien
ein Ende der ZwangsOPs an inter*menschen
weg mit der Zweigeschlechterordnung
für eine genderbefreite Gesellschaft.


Beitrag LesMigraS

„antifaschistisch, queerfeministisch, antirassistisch, solidarisch“- so lautet das Motto des diesjährigen transgenialen CSDs. Doch was genau bedeutet es, solidarisch miteinander zu sein? Wie zeigt sich das im Umgang mit Menschen, die Diskriminierung und Gewalt erfahren? Wie können wir uns trotz verschiedener Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen miteinander verbünden?
Solidarität braucht Zugewandtheit:
Wir haben eine Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahren von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* durchgeführt. In dieser Studie wird deutlich, dass sich die meisten Betroffenen (83,5%) an ihr soziales Umfeld wenden, um Unterstützung nach Gewalt und Diskriminierung zu erhalten. Nur selten wenden sie sich an Antidiskriminierungsstellen und nur in den allerseltensten Fällen gehen sie zur Polizei.
Es braucht Communities und Zusammenhänge, in denen alle in der Lage sind, sich gegenseitig zu unterstützen und bei Gewalt und Diskriminierung zu intervenieren. Wir bei LesMigraS denken, dass Unterstützung etwas ist, was Menschen lernen können und dass alle Menschen in der Lage sind, nach ihren eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen Unterstützung anzubieten. Alle können lernen, für andere da zu sein. Es ist dabei wichtig, unsere eigenen Grenzen zu kennen und gut für uns selbst zu sorgen, während wir andere unterstützen.
Das bedeutet für uns solidarisch sein.
Solidarität braucht Austausch:
Wir denken, dass weiterhin noch viel Sensibilisierung und Aufklärung für Diskriminierung und Gewalt innerhalb queerer Szenen notwendig ist. Rassistische Äußerungen, feminitätsfeindliche Dresscodes, klassistische Einlasspolitiken, gewaltvolle Performances und Grenzüberschreitungen aller Art gehören leider immer noch zum Alltag der vermeintlich glitzernden queeren Szenen. Wer kann sich innerhalb von LSBTI-Communities zuhause fühlen und wer macht auch hier ausgrenzende und diskriminierende Erfahrungen? Wer bietet Unterstützung und Solidarität an?
Wir fragen uns, ob die verschiedenen Communities, innerhalb derer sich Betroffene um Unterstützung bemühen, die notwendige Sensibilität, das nötige Wissen und passende Handlungsstrategien und -möglichkeiten besitzen, um sich selbst und andere Betroffene zu unterstützen. Wie hilfreich ist derzeitige Unterstützung und was brauchen die Mitglieder der Communities an Wissen, Sicherheit und Rückhalt ihrerseits, um unterstützen zu können?
Uns mit diesen Fragen zu beschäftigen und gemeinsam Antworten zu finden, bedeutet für uns solidarisch sein.
Solidarität braucht Visionen:
Was bedeutet es aber, ohne Gewalt und Diskriminierung zu leben? Welche Formen des Miteinanders müssen wir herstellen, damit Gewalt und Diskriminierungen nicht mehr auftreten? Gewalt und Diskriminierung können unserer Meinung nach nur dann grundsätzlich verhindert werden, wenn langfristig das Zusammenleben verändert wird. Das bedeutet, Institutionen in die Pflicht zu nehmen, um strukturelle Diskriminierung abzubauen. Es bedeutet aber auch, in den eigenen Zusammenhängen und bei sich selbst zu beginnen, um zwischenmenschliche Gewalt oder Diskriminierung zu verhindern und deren Folgen auf allen Ebenen aufzufangen. Es braucht ein verantwortungsvolles und wertschätzendes Miteinander. Wir brauchen noch Zeit zu lernen, wie wir ein diskriminierungsarmes und gewaltfreies Leben im Umgang mit anderen Menschen gestalten können. Wir können lernen, wie wir wertschätzende Beziehungen führen können, die auf der Zustimmung aller Beteiligten basieren. Wir können lernen, wie wir unsere Kontakt

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