Redebeitrag 2 von Anna und Arthur

Hallo liebe Mensch_innen, Willkommen zum diesjährigen transgenialen CSD.

Die Demo startet in diesem Jahr vor dem Kino Kosmos. Der Grund dafür ist ein homophober Übergriff Ende letzten Jahres:

Am Abend des 24. Novembers 2006 waren wir zu einer Geburtstagsparty, welche im Rahmen einer bekannten Lesbisch-Schwulen-Partyreihe hier im Kosmos stattfand, eingeladen. Nach dem Ende der Show und dem einen oder anderen Gläschen Prosecco wollten wir uns gegen 3.00 Uhr morgens in bester Stimmung auf den Heimweg machen.

Vor dem Kino hatte sich eine Gruppe von mehreren Jugendlichen versammelt, die lauthals Sprüche gegen Schwule brüllten: „Ich hasse Schwule! Schwule sind doch ekelhaft!“ usw. Diese Gruppe war uns auch schon auf der Party selbst durch ihr unangenehmes Verhalten aufgefallen. Wir forderten sie daraufhin auf, die Pöbeleien zu unterlassen, was sofort mit körperlicher Gewalt beantwortet wurde… soll heißen: ich bekam 2 auf die Nase.

Es entstand eine Rangelei, welche durch den Türsteher des Kosmos beendet wurde. Die Jugendlichen wurden Richtung U-Bhf. geschickt. Wir machten uns kurz darauf ebenfalls auf den weg zum Frankfurter Tor, zogen es jedoch vor, die andere Straßenseite zu benutzen.

An der Kreuzung angekommen, begegneten wir der mittlerweile deutlich aggressiveren Gruppe erneut, die uns auch umgehend verbal attackierten. Wir versuchten durch bewusst defensives verhalten der Situation aus dem Weg zu gehen, was uns jedoch nicht gelang. 4 junge Männer der Gruppe, welche sich durch besonders hohes Gewaltpotenzial auszeichneten, griffen uns mitten auf der Fahrbahn an und begannen auf uns einzuschlagen, so dass wir zu Boden gingen. Sie wurden nicht müde unter wüsten Beschimpfungen auf uns einzuprügeln, während wir am Boden lagen. Dabei traten sie gezielt auf unsere Köpfe ein. Umstehende Passanten und auch die Autofahrer_innen, welche wegen uns nicht weiterfahren konnten, unternahmen nichts.

Einen Moment, in dem sie kurz aufhörten uns zu traktieren, nutzten wir um Richtung Boxhagener Straße zu flüchten. Nur so konnten wir uns weiteren Attacken entziehen.

An der Ecke zur Boxhagener Straße wurden wir erneut zu Boden geworfen, diesmal jedoch von Beamten einer Einsatzhundertschaft. Diese legten uns noch am Boden liegend Handschellen an und teilten uns mit, dass wir wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt werden würden. Erklärungsversuche unsererseits wurden von den Beamten schlichtweg ignoriert. Wir konnten jedoch vor Ort eine Anzeige gegen die noch anwesenden Täter stellen. Erst nachdem wir mehrmals darauf hinwiesen, dass wir beide starke körperliche Schmerzen hatten, hielten es die Beamten für nötig einen Rettungswagen zu rufen. Die alarmierten Sanitäter waren jedoch weder in der Lage, unsere Gehirnerschütterungen festzustellen, noch einen gebrochen Mittelhandknochen als solchen zu erkennen. Sie unterstellten uns stattdessen Drogenkonsum und befanden uns für transportfähig zur Gefangenensammelstelle (GeSa). Dort angekommen verbrachten wir die Stunden des Wartens auf die anstehende Erkennungsdienstliche Behandlung damit, uns von den äußerst unsensiblen Beamten nicht provozieren zu lassen. Sie ließen uns gegenüber keinen Zweifel daran, dass sie uns für die Täter und nicht die Opfer dieser Auseinandersetzung halten. Diesen Psycho-Terror bestärkten sie, indem sie sich, für uns laut und deutlich hörbar, die vermeintlich neuesten Schwulenwitze erzählten. Selbstverständlich verweigerten wir jede Aussage.

Meine Hand ist wieder in Ordnung und auch die Schmerzen im Kopf sind mittlerweile nicht mehr wahrzunehmen, doch für wie viele endet ein Angriff wie dieser anders? Fakt ist, dass wir verdammt viel Glück hatten und auch die Möglichkeit auf die Unterstützung einer relativ gut funktionierenden Queer_Trans_Antifa_Szene hoffen zu können, betrachten wir als ein Privileg. Manch andere_r hat dies nicht, dem sind wir uns bewusst.

Dieser Angriff ist kein Einzelfall, er steht exemplarisch für einen homophoben und transphoben Alltag. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht nur an Tagen wie heute, diskriminierenden Arschlöchern das zu sagen, was wir von ihnen halten: SMASH HOMOPHOBIA! SMASH TRANSPHOBIA!

Wir fordern außerdem eine Sensibilisierung von Polizeikräften im Umgang mit Menschen, die sich Jenseits einer heteronormativen Gesellschaftsordnung bewegen und eine entsprechende Bestrafung der Schläger und Gewalttäter!!!

Viel Spaß beim transgenialen CSD wünschen euch Anna und Arthur!

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